Kalte Nahwärme und Quartiersplanung

Nahwärme Meitingen

Mit SiMon bereits in der Planung optimiert

Industrielle Abwärme, dezentrale Wärmepumpen und Photovoltaik versorgen ein Neubauquartier. SiMon berücksichtigt thermische und elektrische Abhängigkeiten von der Netzauslegung bis zum laufenden Betrieb.

SiMon-Visualisierung für Nahwärme Meitingen mit Wärmepumpen, Speichern und Zählern
ca. 1,1 kmkaltes Nahwärmenetz
99 kWpPhotovoltaikleistung
bis zu 1,5 GWh/aEnergie aus Industriekühlwasser
ca. 300versorgte Wohneinheiten

Die Ausgangslage

Industrieabwärme für ein neues Wohnquartier nutzbar machen

In Meitingen sollte ein Neubaugebiet mit etwa 300 Wohneinheiten über ein kaltes Nahwärmenetz mit Abwärme aus benachbarter Großindustrie versorgt werden. Das in Hochtemperaturprozessen eingesetzte Kühlwasser erwärmt sich dabei auf etwa 30 °C. Dezentrale Wärmepumpen heben dieses Temperaturniveau in den Gebäuden bedarfsgerecht an; Photovoltaik unterstützt die elektrische Versorgung.

Die Herausforderung begann lange vor dem Betrieb: Wärmeangebot, Netzdimensionierung, gleichzeitige Lasten, Stromerzeugung und elektrische Grenzen mussten schon in der Planung gemeinsam betrachtet werden.

Der Systemumfang

Wärmequelle, Verteilnetz und elektrische Versorgung gekoppelt

Industrie­kühlwasser · ca. 30 °C ca. 1,1 km kaltes Netz Dezentrale Wärmepumpen Gebäude 99 kWp Photovoltaik

SiMon verbindet thermische Verteilung und elektrische Versorgung in einem gemeinsamen Modell. Dadurch können Industriekühlwasser, Wärmepumpen, PV-Eigennutzung, Aggregate und Verbrauchsdaten als zusammenhängendes Quartierssystem geführt werden. Laut THI kann die Photovoltaikanlage mit 99 kWp etwa ein Drittel des Strombedarfs regenerativ decken.

Nach Angaben von ratiotherm werden rund 40 m³ Kühlwasser pro Stunde in das Nahwärmenetz eingespeist. Daraus können sich bis zu 1,5 Mio. kWh Energie pro Jahr ergeben. Nach der Wärmeentnahme fließt das abgekühlte Wasser zum Werk zurück und wird erneut zur Kühlung genutzt.

Die Umsetzung

Optimierung vor der Dimensionierung – Betriebswissen vor dem Bau

01

Energieflüsse gemeinsam modellieren

Thermische Bedarfe, elektrische Lasten, verfügbare Abwärme und PV-Erzeugung wurden bereits in der Konzeptphase zusammengeführt.

02

Gleichzeitigkeiten berücksichtigen

SiMon machte sichtbar, welche Leistungen tatsächlich gleichzeitig im Verteilnetz benötigt werden.

03

Netz technisch schlanker auslegen

Auf Basis der Optimierung konnten Rohrleitungsquerschnitte gegenüber einer rein statischen Auslegung deutlich reduziert werden.

04

Planungsmodell in den Betrieb überführen

Lastmanagement, Aggregatesteuerung, Verbrauchserfassung und Störmanagement nutzen dieselbe ganzheitliche Betrachtung weiter.

Die SiMon-Lösung

Thermische und elektrische Restriktionen gleichzeitig beherrschen

Netzflexibilität

Wärmepumpen mit Pufferspeichern flexibel betreiben

Kleine Pufferspeicher entkoppeln Wärmeerzeugung und -bedarf zeitlich. SiMon kann den Betrieb der Wärmepumpen dadurch an elektrische Grenzen und die Verfügbarkeit regenerativen Stroms anpassen.

Betriebsführung

Aggregate, Verbräuche und Störungen zentral führen

Technische Zustände und Verbrauchsdaten stehen in einer gemeinsamen Plattform für Betrieb, Auswertung und Störmanagement zur Verfügung.

Ergebnisse und Kundennutzen

Eine wirtschaftlichere Planung mit belastbarer Basis für den Betrieb

Geringere Infrastrukturkosten

Die Berücksichtigung realer Gleichzeitigkeiten ermöglichte deutlich kleinere Rohrleitungsquerschnitte und damit eine technisch schlankere Netzplanung.

Abwärme sinnvoll verwertet

Das erwärmte Industriekühlwasser wird zur lokalen Wärmequelle für das Wohnquartier. Anschließend kehrt es abgekühlt in den industriellen Kühlkreislauf zurück.

Planung und Betrieb verbunden

Die in der Konzeptphase entwickelte Gesamtbetrachtung bildet zugleich die Grundlage für Lastmanagement und transparente Betriebsführung.

Meitingen zeigt, dass digitale Quartiersoptimierung den größten Hebel entfalten kann, wenn sie vor dem Bau beginnt und technische Entscheidungen früh belastbar macht.

Fachliche Einordnung

Als Pionierprojekt und KUMAS-Leitprojekt dokumentiert

Das Niedertemperaturnetz wurde von KUMAS als Leitprojekt beschrieben. Die Technische Hochschule Ingolstadt ordnete Meitingen fachlich in die fünfte Generation kalter Nahwärmenetze ein; Projektpartner dokumentieren die Nutzung industrieller Abwärme und das Versorgungskonzept.

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